Die sechs Elemente für ein erfolgreiches Kreditrisikomanagement

Aufgrund der Niedrigzinspolitik geraten Banken seit geraumer Zeit zunehmend unter Druck. Die Notenbank stellt Banken seit mehr als drei Jahren Strafzinsen in Rechnung, wenn diese Geld bei ihr parken. Schließlich, so die Überlegung, sollen die Institute die Einlagen ihrer Kunden nicht horten, sondern als Kredite ausgeben, damit die Wirtschaft in Schwung kommt. Die Konsequenz davon ist, dass Banken vermehrt Kredite vergeben. Um dennoch das Ausfallrisiko so gering wie möglich zu halten, sollten Banken folgende 6 Schritte im Kreditrisikomanagement befolgen.

Infografik Kreditmanagement
Die 6 Elemente des Kreditrisikomanagements

1. Know-Your-Customer

Know-Your-Customer (KYC) ist ein wesentlicher Bestandteil des Kreditrisikomanagementprozesses, und bildet die Grundlage für alle nachfolgenden Schritte der Kreditvergabe. Zum einen geht es hier um die vorgeschriebene Legitimationsprüfung von Neu- und Bestandskunden zur Verhinderung von Geldwäsche. Andererseits gilt es auch, sachdienliche, genaue und zeitnahe Informationen zu sammeln, welche dem Aufbau einer soliden Kundenbeziehung dienen, damit die Bank sich als Finanzberater und Anbieter von Finanzprodukten und -dienstleistungen positionieren kann.

2. Analyse nichtfinanzieller Risiken

Um die Zukunft eines Unternehmens zu beurteilen, spielen neben der Bonitätseinschätzung auch qualitative Kriterien eine wichtige Rolle im Kreditrisikomanagement. Unter den qualitativen Ratingkriterien („Weiche Faktoren“) werden nicht quantifizierbare Kriterien verstanden, welche die Entwicklung des Unternehmens nachhaltig beeinträchtigen können. Hier analysiert das Finanzinstitut insbesondere die Erfolgskriterien, die für die zukünftige Unternehmensentwicklung wichtig sind.

Qualitativ werden Faktoren wie das Management, die Wettbewerbssituation, bzw. Marktstellung (Wettbewerber vor Ort, Marktanteil, Konkurrenzfähigkeit der Dienstleistungen usw.), Branchen-einschätzung, etc. beurteilt. Mit Hilfe der weichen Faktoren kann die Bank meist zukünftige Un-ternehmenskrisen mit längerem Vorlauf vorhersagen als mit Hilfe der quantitativen Kriterien.

3. Interpretation der Zahlen

Es gibt diverse Vorteile aber auch Risiken, die mit dem Aufbau einer Bankbeziehung und der Vergabe von Krediten verbunden sind. Daher sollten Kreditgeber wissen, wie bzw. für was die beantragten Mittel verwendet, und wie diese voraussichtlich zurückgezahlt werden. Darüber hinaus sollten alle mit dem Kunden zusammenhängenden Risiken identifiziert, kategorisiert und priorisiert werden.

Um die Zahlen zu verstehen, sollte der Fokus auf der finanziellen Leistungsfähigkeit des Unter-nehmens liegen – hierbei werden die wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens geprüft. Dazu werden Unterlagen zur Vermögens- und Ertragslage des Unternehmens analysiert. Dies sind in der Regel aktuelle Jahresabschlüsse, betriebswirtschaftliche Auswertungen oder gegebenenfalls Einnahme-Überschuss-Rechnungen.

4. Geben Sie dem Deal ein Preisschild

Die Festlegung eines angemessenen Preises ist eines der Schlüsselelemente im Kreditrisikomanagement. Auf Basis der qualitativen und quantitativen Bewertungen wird eine Einschätzung vorgenommen, welches Risiko mit der Kreditvergabe an ein Unternehmen verbunden ist. Zur Risikoeinschätzung werden Ratingverfahren oder andere Bewertungsmodelle verwendet, auf deren Basis der entsprechende Zinssatz kalkuliert wird.
Eine Vielzahl an komplexen Faktoren bestimmt den endgültigen Zinssatz. Zu den wichtigsten Faktoren zählen (1) die wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens (Bonität) sowie (2) die gestellten Sicherheiten (Werthaltigkeit der Besicherung). Dabei gilt der Grundsatz: Je besser die wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens und je werthaltiger die gestellten Sicherheiten, desto niedriger der Zinssatz. Mit dem jeweiligen Zinssatz wird sichergestellt, dass das Finan-zinstitut für das Risiko des Geschäfts angemessen entschädigt wird.

5. Präsentation und Abschluss des Deals

Die fundierte und professionelle Kommunikation der Rating- und Scoring-Ergebnisse und der Kosten sind eine wichtige Voraussetzung für die Annahme und den Abschluss des Deals. Kredi-tentscheidungen sollten nicht allein auf Basis der Bonitätsbeurteilung getroffen werden. Diese wäre nicht vollständig ohne eine gleichwertige Betonung der qualitativen Aspekte wie beispielsweise der Fähigkeit des Managements, das Wettbewerbsumfeld, etc. Einem Abschluss des Geschäfts steht nach der Analyse, Strukturierung und Preisfindung nichts mehr im Wege.

6. Überwachung der Geschäftsbeziehung

Im heutigen Wettbewerbsumfeld können Banken es sich nicht leisten, auf die Rückzahlung ihrer Kredite zu warten und erwarten, dass Kunden aktiv nach anderen Produkten und Dienstleistungen fragen. Um die Marktposition zu halten, muss das Risikoprofil des Kunden weiterhin über-wacht und gleichzeitig nach Möglichkeiten zur Entwicklung und Erweiterung der Beziehung gesucht werden.

Eine gewinnbringende Beziehung kann schnell zu einer unrentablen werden. Darlehenszahlungen können zeitnah sein, aber die Verschlechterung von Sicherheiten, ungenutzter Potenziale oder nicht bezahlte Steuern können ein ernstes Risiko für eine Bank darstellen. Periodische Überprüfungen, Bewertungen und Audits können sicherstellen, dass der Kunde eine langfristige Rentabilität für die Bank schafft.

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