Wie Automatisierung die Konsumentenkreditvergabe verbessern kann

Der Kreditvergabeprozess ist oft ein komplexer Prozess, der zahlreiche Schnittstellen zwischen Front- und Backoffice erfordert. Je nach Kreditart, kann der Prozess stark variieren. So unterscheiden sich beispielsweise der Kreditvergabeprozess eines gewerblichen Kredites zu dem eines klassischem Konsumentenkredites. Im Folgenden wird das Augenmerk auf die End-to-End-Wertschöpfungskette im Konsumentenkreditvergabeprozess gerichtet.

Naturgemäß sollte die Vergabe von Konsumentenkrediten ein hochgradig automatisierter Entscheidungsprozess sein. Dennoch haben viele Finanzinstitute Schwierigkeiten, diesen Prozess und die damit verbundenen Entscheidungen zu automatisieren. Die Kunden jedoch erwarten, dass Banken Kreditanträge nahezu in Echtzeit bearbeiten. Ein wesentlicher Grund für diese Erwartungshaltung stammt von Fintechs, die mit innovativen technischen Ideen den gesamten Finanzsektor revolutionieren.

Lückenhafte Automatisierung bei Konsumentenkrediten

Stand heute gibt es noch immer eine Vielzahl an Finanzinstituten, bei denen der Kreditvergabe-prozess für Konsumentenkredite zahlreiche manuelle Schritte beinhaltet. So müssen Verbraucher beispielsweise in vielen Fällen noch immer in die Filiale ihrer Bank gehen, entweder um einen Kreditantrag per Hand auszufüllen oder für einen Termin bei ihrem Berater. Detaillierte Darlehensinformationen des Kreditantrags werden dann händisch vom Bankmitarbeiter in das Kreditsystem eingegeben. Anschließend erfolgt die Antragsbearbeitung und Kreditentscheidung:

  • Bonitätsanalyse durchführen
  • Sicherheiten bearbeiten
  • Votierung/Kreditentscheidung

Die Antwort, ob ein Kredit genehmigt wird, und zu welchen Konditionen, erfolgt in vielen Fällen frühestens am nächsten Geschäftstag. Grund hierfür ist, dass bei Konsumentenkrediten die Marktbearbeitung noch immer hauptsächlich in der Filiale erfolgt, die Marktfolgebearbeitung aber größtenteils in der Zentrale. Dies hat in der Regel zur Folge, dass es Kreditinstituten nach wie vor nicht gelingt, die Durchlaufzeiten von Konsumentenkrediten spürbar für den Kunden zu reduzieren. Ursachen hierfür sind lange Liege‑ bzw. Transportzeiten, Abstimmungsprobleme und eine unklare Aufgabenverteilung zwischen Markt und Marktfolge. So kann ein 30-minütiger Prozess schon einmal einige Tage dauern.

Die digitale Automatisierung von Konsumentenkrediten

Aufeinander abgestimmte IT‑ und Workflowsysteme, der Verzicht auf Doppelvotierung und hoch automatisierte Prozesse können helfen, die Durchlaufzeiten erheblich zu verkürzen. Nicht für jedes Finanzinstitut kommt jedoch eine komplette Automatisierung des Kreditantragprozesses in Frage. Manuelle Schritte der Antragsbearbeitung und Kreditentscheidung können jedoch eliminiert werden. Dies ermöglicht Banken, die Antragsbearbeitung und Kreditentscheidung auf wenige Stunden zu reduzieren. Darüber hinaus ist der Entscheidungsprozess bei der klassischen Kreditvergabe zu einem großen Teil durch subjektive Einschätzungen der Kreditentscheider geprägt. Mithilfe einer (Teil-)Automatisierung der Prozesse ist eine Objektivierung der Kreditentscheidung möglich, die deren Nachvollziehbarkeit wesentlich verbessert.

Des Weiteren kann durch die Automatisierung der Bonitätsanalyse, bzw. der gesamte Kreditvergabeprozesses rationalisiert werden, indem das System autark über die Kreditvergabe entscheidet. Der Kreditsachbearbeiter wird dadurch von einem Großteil der Routinearbeiten entlastet. Hieraus resultiert ein Kosteneinsparungspotenzial im Standardgeschäft der Konsumentenkredite, vor allem im Personalbereich. Gerade in Zeiten von nicht vorhandenen Zinsspannen, führt bei Kreditinstituten kaum ein Weg daran vorbei, Individualprüfungen auf ein Minimum zu reduzieren.

Mit einer automatisierten Bonitätsprüfung ist der Schritt zu einem hoch automatisierten Kredit-vergabeprozess jedoch nicht getan. Um einen höheren Grad der Automatisierung zu ermöglichen, können robuste und hochskalierbare Plattform-basierte Anwendungen für die Automatisierung von Kreditvergabe- und Entscheidungsprozessen Unterstützung bieten. Spannend sind hierbei Systeme, welche auf einer leistungsfähigen grafischen Regel-Engine basieren, wie die der ACTICO Credit Decision Platform. Dies ermöglicht die Implementierung, das Testen, die Simulation und die Optimierung von bankinternen Regeldiensten, einschließlich der Risikobewertung, Preisgestaltung und Kreditentscheidungsstrategien.

Ein solcher Regel-Service kann von diversen Eingangskanälen aufgerufen und nahtlos in andere interne und externe Datenquellen integriert werden. Hierbei darf ein Standard Konnektor für externe Auskunfteien zur Datenanreicherung nicht fehlen. Durch die effizientere Gestaltung und Automatisierung des gesamten Prozesses kann die Zeit bis zur Auszahlung des Kredites signifikant verringert werden (Minimierung des „time-to-credit“).

Letztendlich müssen Finanzinstitute in der Lage sein, die Erwartungen der Kreditantragsteller bezüglich einer zeitnahen Entscheidung und Bereitstellung eines Kredits erfüllen. Nicht jeder Verbraucher benötigt einen 30-minütigen Turnaround für eine Kreditentscheidung. Dennoch müssen Banken ihre Prozesse dahingehend anpassen, sich dem aktuellen Wettbewerb und der Marktsituation anzupassen.

Die Automatisierung von Konsumentenkrediten hilft Banken, den heutigen manuellen Kreditvergabeprozess in einen wirklich digitalen Prozess zu verwandeln, der die Erwartungen der heutigen Kunden erfüllt. Dies ermöglicht es den Banken, den Kundenservice zu verbessern, Kosten zu senken, die Compliance zu verbessern und den Umsatz zu steigern. Prozesseffizienz im Kreditgeschäft ist zentraler Hebel, um im Wettbewerb erfolgreich zu bestehen.

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